13
Nov
08

Grundsätze (Teil 01)

… egal ob man sie Grundsätze, Glaubenssätze, Kodex oder sonst wie nennt, es steht die Frage im Raum, was sind sie?

Ich definiere „Grundsätze” für mich so: Vorgaben, die ich mir selbst aufgestellt habe, wie ich leben, denken, handeln und verhalten möchte und zwar zu / in einer bestimmten Zeit, Situation, zu bestimmten Themen.

Für mich haben Grundsätze auch viel mit Toleranz und Fairness zu tun. Ich bin der Meinung, dass das eine ohne das andere nicht möglich ist. Durch die Geschichte hinweg hat gezeigt, was passieren kann, wenn zwischen den beiden Größen ein Ungleichgewicht geherrscht hat.

Wenn man sich das Wort „GRUNDSATZ” einmal an, stellt man fest, dass es aus 2 Wörtern zusammengesetzt ist.

Als „GRUND” kann man den tiefsten Punkt einer Sache, Ding ansehen bzw. als ein auslösendes Faktum betrachten. – „SATZ” ist/kann man als eine bestimmte Anzahl / Größe von Dingen / Sachen sehen (z.B. ein SATZ Reifen = 4 Stück oder sind es 5?)

Was Grundsätze letztendlich bedeuten ist davon abhängig, was jeder selbst darunter versteht. Somit gibt es keine allgemeingültige Definition was Grundsätze sind, was darunter zu verstehen ist.

In diesem Zusammenhang eine kleiner Tipp:

Sollte man in der Zukunft mit dem Wort „Grundsatz” operieren, ist es meiner Meinung nach zwingend erforderlich im Vorfeld seine Definition davon kund zu tun. Wenn man so verfährt, sind Missverständnisse fast ausgeschlossen (wenn auch möglicherweise nur für dieses Gespräch) – Genauso sollte man eine Definition von seinem Gegenüber einfordern.

Nun sollten wir uns der Frage zuwenden, was gehört zu einem „guten” Grundsatz (oder wie jeder dies nennen mag)?

Was ich unter Grundsatz verstehe habe ich eingangs bereits mitgeteilt  und das hat sich bis jetzt auch nicht geändert.

Wo ich Kritikpunkte sehe, ist in der Entstehung und Handhabung von Grundsätzen. – Frage daher, wie entstehen Grundsätze und gibt es allgemeingültige Faktoren?

Da ich an die Individualität glaube, gibt es für keine allgemeingültigen Faktoren wie Grundsätze entstehen. Jeder muss daher sich selbst und seine Grundsätze dahingehend „erforschen”

Bei einer Vielzahl von Gesprächen, in denen Grundsätze ein Thema waren, habe ich festgestellt, dass die meisten dieses Wort benutzten aber keine eigene Erklärung / Definition nenne konnten (und es auch nicht für notwendig erachten sich darüber Gedanken zu machen).

Ein paar aussagekräftiges Beispiele dafür sind:  Die Eltern sagen zu ihren Sprösslingen, dass lesen wichtig ist und das letzte Buch das die Eltern gelesen haben gehört mittlerweile zum Antiquariat – Der Vater bestraft seinem Sohn, weil er beobachtet hat, das dieser bei Rot über die Straße gegangen ist und nur kurze Zeit später fährt der Vater bei einer gemeinsamen Autofahrt bei „Dunkelorange” über die Ampel. Frage was hat der Sohn gelernt?

Das aufstellen und einhalten  von Grundsätzen birgt ein großes Konfliktpotential und doch halten es so viele Menschen für nicht notwendig einmal darüber nachzudenken.

Eine ebenfalls interessante Frage ist, wie gehe ich mit meinen Grundsätzen um? Bevor ich mich um die Beantwortung dieser Frage bemühe, ist es notwendig herauszufinden, was für ein „Grundsatz  – Typ” ich/man bin/ist.

Aus meiner subjektiven Sicht heraus unterscheide ich 2 grundsätzliche Typen, das ist zum einen derjenige, der sich einen Grundsatz aufstellt und diesen für alle Zeiten erhalten will und das ist zum anderen der, der Grundsätze für sich aufstellt und sie von Zeit zu Zeit auf den „Prüfstand” stelle um ihre Beständigkeit zu klären.

Es dürfte nicht schwer zu erraten sein, zu welcher Gruppe ich mich selbst zähle. Eins dürfte aber auch klar sein, an Grundsätzen sollte man festhalten auch wenn es in bestimmten Situationen nicht einfach ist. Doch nicht zwanghaft, über einen zu langen Zeitraum hinweg.

Wie gesagt, auch für Grundsätze gibt es einen gewissen Aktualitätsgrad.

Mit seinem Auto muss man ja auch alle 2 Jahre zum TÜV, warum nicht auch mit seinen Grundsätzen?!?

Unter „zeitnah” verstehe ich nicht, dass man seine Grundsätze mit einem „Haltbarkeitsdatum” versehen muss und diese dann nach Ablauf ersetzen muss, – Nein, unter zeitnah verstehe ich, seinen Grundsätze an den jeweiligen Zeitgeist  anzupassen, sie zu aktualisieren.

Wenn man sich einmal Grundsätze aufgestellt hat – Wichtig: seine Grundsätze – macht es auch Spaß mit und an ihnen zu arbeiten.

Ich möchte in Zusammenhang mit Grundsätzen auf einen, für mich, doch relevanten Punkt zu sprechen kommen.

Wie ich geschrieben habe, gehören Grundsätze und Toleranz sowie Fairness für mich zusammen.

Ich verstehe darunter, dass ich mir meine Grundsätze aufstelle, diese auch kundtue, aber keinen falls Ambitionen hegen andere nach der Übereinstimmung zu beurteilen bzw. sie als Maßstab für andere zu setzen.

Es ist, das gebe ich zu, erfreulich auf Menschen zu treffen, die (fast) die gleichen Grundsätze habe wie man selbst.

Meiner Meinung nach sind Grundsätze „antrainiert”, anerzogen und dies entweder bewusst, aber in den meisten Fällen unbewusst. Aus diesem Grunde ist es mehr als angebracht sie zu überprüfen, eine gewisse Kontrolle auszuüben.

Wie kann dies bewerkstelligt werden? – Bleiben wir bei der „Auto / TÜV” – Metapher.

Wenn wir mit unserm Auto beim TÜV vorfahren müssen, geht der Prüfer auch nach einer Checkliste vor und so sollten wir unsere Grundsätze auch aufarbeiten.

Frage, was soll eine derartige „Checkliste” beinhalten? – Aufgrund der Individualität sollte die dafür angewandte Checkliste ebenfalls dieses Merkmal aufweisen, d.h. jeder sollte für seine Grundsätze seine Checkliste aufstellen.

Als Hilfestellung kann ich ein paar Punkte meiner Checkliste zur Verfügung stellen, die da wären:

  • Wie bin ich zu diesem Grundsatz für mich gekommen?
  • Welche Faktoren waren bei der Entstehung des Grundsatzes beteiligt bzw. auf welche habe ich mich bezogen?
  • Wie zeitgemäß ist dieser Grundsatz noch?
  • Wie schwer bzw. wie leicht fällt mir die Aufrechterhaltung diese Grundsatzes?
  • Welchen Nutzen / Vorteil hat mir dieser Grundsatz seit seiner Aufstellung gebracht?
  • Welchen möglichen Nutzen / Vorteil könnte er noch bringen, wenn ich ihn unverändert aufrecht erhalte?
  • Wie konsequent bin ich in der Einhaltung, Anwendung dieses Grundsatzes?
  • Wie könnten mögliche Anpassungsalternativen aussehen?

Diese oder ähnliche Fragen hat sich fast jeder schon einmal gestellt und sich, wenn auch selten, die Antworten dafür gesucht.

In diesem Zusammenhang noch ein Fakt, die Hinterfragung und die Antwortenfindung wurde nur im Kopf durchgespielt. Hierbei stellt sich die Frage mit welchem Erfolg.

Ich vertrete die Auffassung, dass die schriftliche Bearbeitung die Erfolgsausichten erheblich steigern. – Oder wer hat schon einmal einen TÜV – Prüfer ohne schriftliche Checkliste gesehen?

Das bisher Gesagte war die theoretische Komponente zu diesem Thema, wollen wir das ganze auf etwas praxisorientierte „Beine” stellen.

Eine Möglichkeit der Umsetzung möchte ich hier vorstellen. Nach dieser habe ich und tue es nach wie vor meine Grundsätze „gecheckt”.

Zu meinen „Vorarbeiten” hierzu gehörte, dass ich mir meine Checkliste (Auszug siehe oben) aufgestellt habe und diese per Niederschrift dokumentiert habe.

Tipp: Begrenzung der Anzahl von Checkpunkten auf eine Zahl zwischen 10 und max. 15 Stück - Formulierung der einzelnen Punkte als Frage, mit einem konkreten „Ich” – Bezug, d. h. es muss deutlich werden, dass ich diese Frage mir selbst stelle. - Mit der zu detaillierten, zu spezifischen  Ausformulierung der Fragen macht man sich eine übergreifende Nutzung unnötig schwer. - Nummerierung der einzelnen Fragen.

Nachdem ich dies getan habe, nehme ich ein leeres Blatt Papier, schreibe rechts oben das aktuelle Tagesdatum hin. Im oberen Viertel des Blattes gehe ich dann daran meinen Grundsatz zu formulieren, ihn in Worte zu packen, wobei ich bemüht bin ihn so klar wie möglich zu beschreiben und dabei nicht zu weit auszuholen.

(Grundsatz hier: Keep it short and simple – kurz: KISS)

An dieser Stelle eine kleine Anmerkung:

Wie gesagt, ist eine zu detaillierte Beschreibung nicht immer förderlich, da es die allgemeine Anwendung dieses Grundsatzes erschwert und es erschwert den Umgang mit ihm.

Als nächstes gehe ich daran die aufgestellten Fragen in Bezug auf diesen Grundsatz zu beantworten.

Tipp: Bei den Antworten nicht zu lange überlegen, das hinschreiben, was einem gerade dazu in den Sinn kommt (natürlich sollte man ein wenig darauf achten, dass eine Bezug auf den betrachteten Grundsatz besteht). - beim aufschreiben der Antworten sich keine große Gedankten hinsichtlich der Formulierung, der Satzstellung, evtl. Wortwiederholungen, usw. machen - klare und kurze Sätze oder auch nur Stichworte sind sehr hilfreich - Wenn ich auf eine Frage keine Antwort weiß, dann nicht anfangen zu grübeln sondern weiter zur nächsten.

Wenn ich die Fragen durch habe, lege ich alle zu diesem Grundsatz beschriebenen Blätter weg und sofern ich noch Lust, Zeit und Muse habe nehme ich mir einen neuen Grundsatz vor und verfahre noch o.g. Schema.

Die so bearbeiteten Grundsätze gehe ich innerhalb der nächsten 72 Std. (3-Tage-Regel) nochmals durch, ohne dass ich vorher mir die genannten Antworten nochmals ansehe.

Diesen Ablauf mache ich insgesamt 3 x durch.

Ich höre jetzt den einen oder anderen „stöhnen”, sagen: „Was das wieder Zeit kostet!” oder „Dafür habe ich jetzt keine Zeit, verschiebe ich auf ein anders Mal!”

(Auch hier gilt, vor dem Lohn hat man die Arbeit gesetzt. – Des weiteren verweise ich auf das kleine Spiel am Ende meines Aufsatzes über Wünsche, in dem es darum geht täglich 1 Std. Zeit aufzuwenden um am Ende etwas Großes zu bekommen)

Kommen wir zu der spannenden Frage: „Wie soll ich denn dies alles <<auswerten>>?”

Ich habe dazu alle 3 Antwortbögen nebeneinander gelegt und geschaut, wo ich gleich geantwortet habe, wo Abweichungen waren.

Wenn keine Abweichungen, bleibt der Grundsatz so wie er ist; schätze ich die Abweichungen als wichtig ein, gehe ich daran den Grundsatz zu modifizieren.

Um hier nicht wieder in ein großes „Überlegen” ein zu steigen, habe ich in meiner Checkliste eine Frage stehen, in der es um mögliche Anpassungsalternativen geht und kann mich daran „bedienen”.

Habe ich einen Grundsatz modifiziert, gilt selbstverständlich, dass ich diese Änderung kundtue.

So viel vorerst zum Thema „Grundsätze”.

Ach so, was ich noch anmerken möchte, die schriftliche Durchführung ermöglicht mir, mein Handbuch meiner Grundsätze zu erstellen. Ich war überrascht, wie viele es waren sowie welche Veränderungen stattgefunden haben.


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